Lokale Windsysteme – Warum gibt es Föhn?

Wir starten hier eine Reihe über lokale Windsysteme, die sich nur eng begrenzt auswirken, aber manchmal auch Schäden anrichten können. Im ersten Teil geht es um den Föhn.

Unter dem Föhn versteht man einen trockenen, warmen Fallwind, der auf der windabgewandten Seite eines Gebirges (Lee) bis in die Täler hinabwehen und das Wetter hier komplett anders gestalten kann als auf der anderen Seite des Gebirges. Bei starker Ausprägung kann sich ein Föhnsturm einstellen, der sogar größere Schäden anrichten kann. Föhn beschränkt sich nicht nur auf die Alpen, es gibt ihn auch an zahlreichen anderen Gebirgen, sogar in den deutschen Mittelgebirgen.

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Typische Föhnwolke, lateinisch lenticularis (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Lenticularis#/media/File:Lenticulariswolke.jpg)

Das Wort Föhn stammt vom lateinischen favonius ab, mit dem in römischer Zeit ein lauer Westwind bezeichnet wurde. Mit der Zeit wurde daraus im deutschen das Wort Föhn, das sich im gesamten Alpenraum verbreitete und auch allgemein als Oberbegriff für warme Fallwinde hinter einem Gebirge verwendet wird.

foehngrafikDamit sich eine Föhnlage einstellen kann, muss eine auf das Gebirge gerichtete Strömung vorhanden sein. Sie muss vor allem in mittleren und höheren Lagen der Troposphäre ausgeprägt sein. Die Strömung gegen das Gebirge lässt die Wolken daran stauen, beim Aufsteigen der feuchten Luft bilden sich anhaltende und oft kräftige Stauniederschläge. Auf der Rückseite des Gebirges entstehen Wellen, mit denen die Luft herabtransportiert wird. Sie erwärmt sich hier schneller als sie sich beim Aufsteigen abgekühlt hat und trocknet ab, die Wolken lösen sich weitgehend auf. Durch die Wellenbewegungen auf der Gebirgsrückseite entstehen die typischen Föhnwolken (lateinisch „lenticularis“). Man kennt den Föhn vor allem aus den Alpen, hier tritt er je nach Anströmung auf der Nord- und auch der Südseite auf.

Bei einer Föhnlage können sich selbst im Winter in einigen Tälern manchmal Temperaturen bis über 20 Grad einstellen. Der Föhnwind weht dabei über Stunden beständig, zwischenzeitlich aber sehr böig. Auf den Bergen an der Nordseite der Alpen ist der Südföhn oft mit Orkanböen verbunden, sogar Windspritzen über 200 km/h kommen vor. Auch in einzelnen, günstig ausgerichteten Tälern sind schwere Sturm- oder sogar Orkanböen möglich mit entsprechenden Schäden.

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Höchsttemperaturen am 16. November 2002

Ein extremer Föhnsturm tobte Mitte November 2002. Am Morgen des 16.11. stieg die Temperatur in Garmisch-Partenkirchen innerhalb von nur zwei Stunden von 6 auf 18 Grad an. Im Tagesverlauf wurde am bayerischen Alpenrand vielerorts sogar die 20-Grad-Marke überschritten, der höchste Wert wurde aus Bad Reichenhall mit 23,7 Grad gemeldet. Bereits am 14. und 15.11. wurden auf den Bergen Orkanböen gemessen. Der Höhepunkt stellte sich am 16.11. ein mit 199 km/h auf dem Wendelstein und 182 km/h auf der Zugspitze.

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Höchste Windböen am 16. November 2002 in Bayern

Föhn tritt nicht nur im Bereich der Alpen auf, sondern auch im norddeutschen Flachland. Hier wirkt sich bei nördlicher Anströmung das südnorwegische Gebirge aus, man spricht vom „Norwegenföhn“. Im Lee des Gebirges lösen sich die Wolken weitgehend auf und die wolkenarme Zone kann bis nach Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern reichen. Wo die Luft allerdings über Nord- oder Ostsee weht, kann sie sich wieder mit Feuchtigkeit anreichern und es können sich Schauer bilden.

Ähnlich wie an den Alpen kann sich eine Föhnlage an jedem Mittelgebirge einstellen. Typisch sind zum Beispiel bei südlicher Strömung größere Wolkenlücken und ansteigende Temperaturen auf der Nordseite von Eifel, Bergischem Land und dem Sauerland sowie dem Thüringer Wald, um nur einige Beispiele zu nennen.

Auch international ist der Begriff Föhn bekannt, hat aber meist auch lokale Namen. In Südkalifornien kennt man den „Santa Ana“, der bei Ost- bis Nordostwind von den Rocky Mountains herabweht und selbst im Winter manchmal Temperaturen bis 25 Grad mit sich bringen kann. In dem warmen und böigen, trockenen Fallwind steigt aber auch regelmäßig die Brandgefahr deutlich an. Weiter nördlich kennt man den Chinook, der bei einer Westwetterlage im Nordwesten der USA und in Kanada ebenfalls von den Rocky Mountains weht. Er brachte im Februar 1988 den Veranstaltungsplan der Olympischen Spiele im kanadischen Calgary arg durcheinander, vor allem die Bobfahrer und die Skispringer waren betroffen.

 


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