Lokale Windsysteme – Der Böhmische Wind

Der Böhmische Wind – man ahnt es schon – hängt eng mit der Landschaft Böhmen in Tschechien zusammen und kann von dort je nach großräumiger Strömung nach Sachsen oder Bayern wehen. Da der Wind vor allem durch Täler hindurch weht, handelt es sich – anders als beim Föhn – nicht um einen warmen Fallwind, sondern um einen kalten Wind, der im Winter sehr kalte Luft aus dem Böhmischen Becken herantransportieren kann. Der Böhmische Wind kann durchaus Sturmstärke erreichen und bei vorhandener Schneedecke massive Schneeverwehungen auslösen.

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Vor allem bei länger anhaltenden Hochdrucklagen kann sich im Winter sehr kalte Luft im Böhmischen Becken sammeln und immer weiter auskühlen. Die Luftdruckdifferenz zur Umgebung wird durch den Böhmischen Wind ausgeglichen. Da das Becken von drei Seiten von Gebirgen umgeben ist, kann die schwere Kaltluft aus Böhmen nur als kalter Böhmischer Wind durch die Täler und über Passlagen abfließen. Über Böhmen selbst liegt dabei oft eine dichte Hochnebeldecke.

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In Sachsen weht der Wind aus Südosten durch die Täler von Erzgebirge, Elbsandsteingebirge und Zittauer Gebirge. Er ist dabei sehr böig. Am 23. Dezember 1999 war vor allem Ostsachsen betroffen, hier gab es Böen bis Sturmstärke. An einer privaten Wetterstation nahe Kamenz wurden in Böen sogar mehr als 100 km/h gemessen.

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In Bayern sind vor allem der Oberpfälzer Wald sowie Böhmerwald und Bayerischer Wald betroffen, auch hier kann der Böhmische Wind durchaus Sturmstärke erreichen, allerdings aus Nordosten. Da bei solchen Wetterlagen im Winter in den Mittelgebirgen oft Schnee liegt, kann dieser in meterhohen Schneeverwehungen aufgetürmt werden und lokal eng begrenzt Straßen und Wege unpassierbar machen. Auch starker Reifansatz an Bäumen und Gegenständen ist möglich. Im Januar 1987 richtete der Wind in einigen Tälern Ostbayerns Schäden in zweistelliger Millionenhöhe an und es türmten sich bis zu 3 Meter hohe Schneeverwehungen auf. Der Wind erreichte damals lokal Orkanstärke.

Der Böhmische Wind bricht erst dann zusammen, wenn das mit Kaltluft angefüllte Hochdruckgebiet über Böhmen verschwindet. Dies kann unter Umständen einige Zeit dauern. Der Böhmische Wind kommt in Sachsen aber auch bei südlicher bis südöstlicher Anströmung vor, wenn weiter westlich ein Tief liegt und der Wind so die Luft aus Böhmen nach Sachsen weht.


 

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