Hurrikan Joaquin kommt nach Europa? Unsinn!

Seit gestern geistern einige Meldungen durch die Medienwelt, dass der Hurrikan Joaquin nun plötzlich eindreht und nach Europa zieht. Es wird schon die Frage gestellt, ob wir uns in Deutschland nun auf einen Hurrikan einstellen müssen. Keine Sorge, es ist eine von vielen schwachsinnigen Meldungen. Dass ein Hurrikan uns in Deutschland erreicht ist gar nicht möglich.

Ich will versuchen die Sache etwas näher zu beleuchten und die mögliche weitere Entwicklung von Joaquin zu beschreiben. Dazu erstmal zur aktuellen Situation und die voraussichtliche Zugbahn bis Donnerstag kommender Woche in einer Grafik. Zunächst sehen sie ein aktuelles Satellitenbild. Der Hurrikan der Kategorie 3 befindet sich derzeit südwestlich von Bermuda und wird nun bald nach Nordosten eindrehen.

Aktuelles Satellitenbild von Joaquin (NOAA)

Aktuelles Satellitenbild von Joaquin (NOAA)

Voraussichtliche Zugbahn, NHC

Voraussichtliche Zugbahn, NHC

Tropische Stürme ziehen ihre Energie aus dem sehr warmen Wasser der tropischen Ozeane. Damit ein tropischer Sturm sich überhaupt bildet oder weiter bestehen kann, ist neben anderen Faktoren der eigentlich wichtigste Faktor eine hohe Wassertemperatur von mindestens 26 bis 27 Grad. Wenn Joaquin nun also nach Nordosten eindreht, kommt er in Bereiche des Atlantiks, wo die Wassertemperaturen aber deutlich unter dieser Schwelle liegen. So wird es sich abschwächen und zudem in die Frontalzone oder auch Westwindzone aufgenommen.

Dabei erfährt das Tief eine Umwandlung zu einem außertropischen Tief. Das ist der wichtige Punkt, denn einfach gesagt wird der Hurrikan eingehen, seine tropischen Eigenschaften verlieren und ein ganz „normales“ Tief werden, wie wir es bei uns in Mitteleuropa immer wieder erleben. Diese Tiefs, welche aus tropischen Stürmen hervorgingen, werden dann mit dem Zusatz „Ex“ bezeichnet. Sollte uns Joaquin wirklich noch beeinflussen, würde er „EX JOAQUIN“ heißen. Zudem ist noch wichtig, dass der Hurrikan oder das Tief nicht „rast“, wie ich leider immer öfter lesen muss. Die Verlagerungsgeschwindigkeit ist meistens sehr gering, oft nur wenige Kilometer pro Stunde. Auf dem Atlantik wird das Tief nach seiner Umwandlung etwas mehr Fahrt aufnehmen, wenn es von der Westwindzone aufgenommen wird.

Nach derzeitigen Prognosen wird EX Joaquin irgendwann zum kommenden Freitag und Samstag auf dem Atlantik westlich bis südwestlich von Irland zu finden sein. Derzeit sieht es gar nicht danach aus, dass er überhaupt nennenswert Einfluss auf unser Wetter in Deutschland nimmt. Da es aber noch viel zu weit hin ist für eine genaue Prognose, können wir diesen Abschnitt erst einmal beenden.

Können Ex Hurrikans auch bei uns gefährlich werden?
Es ist schon so, dass aus ehemaligen tropischen Stürmen, je nach Entwicklung auf dem Nordatlantik, ein uns bekanntes Sturm- oder Orkantief hervorgehen kann. Zuletzt sorgte EX Henri Mitte September besonders in Frankreich für Sturm und beeinflusste auch den Westen und Nordwesten Deutschlands mit viel Wind. Im ungünstigsten Fall können diese ehemaligen tropischen Stürme also auch bei uns gefährlich werden und Sturm oder Orkan bringen. Das hat aber im Grunde nichts mit ihrer tropischen Vorgeschichte zu tun, da auch jedes zuvor nicht tropische Tief, primär in den Herbst- und Wintermonaten, sich zum Sturm- oder Orkantief mausern kann.

3 Kommentare

  1. Petra 4. Oktober 2015
  2. Heimbach 4. Oktober 2015
  3. Techn. Rat Ing. Leopold Abraham 5. Oktober 2015

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