Halbzeitbilanz Mai – verbreitet viel zu trocken

Gestern war Mai-Bergfest. Zeit, mal einen Blick zurück auf den bisherigen Monat zu werfen und zwar im Hinblick auf den Niederschlag.

Frühsommerliche Phasen, wie wir sie letzte Woche erlebt haben, sind zwar für den menschlichen Organismus schön, hebt Sonne und Wärme doch meist die Laune. Doch für die Natur sind solche warmen, sommerlichen Hochdruckphasen nicht sehr erfreulich, da sie in der Regel mit Trockenheit verbunden sind. Das kann durchaus irgendwann zum Problem werden, insbesondere wenn es schon vorher eine Weile lang kaum Regen gab (die ersten Monate des Jahres sind in vielen Regionen zu trocken ausgefallen). So stieg dann auch während der sommerlichen Phase letzte Woche vielerorts die Waldbrandgefahr auf die höchste Stufe an und es gab mancherorts die ersten Waldbrände (wir berichteten).

Schauen wir also auf die momentane Situation. Die folgende Karte zeigt die Regensummen seit Monatsbeginn, 01.05.2016 (abrufbar auf kachelmannwetter.com und natürlich für jedes Bundesland und jeden Landkreis einzeln anzuschauen):

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Direkt fällt der Süden Deutschlands und insbesondere die Bodensee-Region (rot) auf. Hier gab es seit letzte Woche Donnerstag bis Pfingstsonntag jede Menge Regen, der teilweise für Hochwasser und vollgelaufene Keller gesorgt hat (siehe dazu unseren Live-Wetter-Ticker). Verbreitet sind hier seit Monatsbeginn 80 bis über 140 l/qm Regen gefallen. An einigen Orten ist die Monatssumme für Mai schon übertroffen, wie beispielsweise in Friedrichshafen am Bodensee. Dort fallen im Monat Mai im Durchschnitt 109 l/qm. Das Hochwasser im Süden geht bereits zurück, die Pegelstände an Hoch- und Oberrhein werden wieder deutlich fallen.

Ganz anders sieht es in der Mitte und im Norden aus. In allen Regionen, die blau eingefärbt sind, sind bisher weniger als 8 l/qm gefallen! Nicht mal ein ganzer Kasten Wasser. Aber auch in den hellgrünen Bereichen ist es mit 10 bis 20 l/qm sehr dürftig für die erste Monatshälfte. Für die Natur eindeutig zu wenig!

Zur Einordnung, wo in Deutschland wie viel Regen im Mai normalerweise fallen sollte, hier ein paar Klimawerte aus dem Klima-Referenzzeitraum 1981-2010:

Hamburg       54 l/qm              Schwerin      52 l/qm

Emden           57 l/qm               Hannover    56 l/qm

Essen              73 l/qm              Berlin      55-60 l/qm

Saarbrücken  69,0 l/qm          Leipzig         54 l/qm

Stuttgart         86 l/qm             München     87,0 l/qm

 

Fazit: Die Mitte und der Norden Deutschlands sind derzeit viel zu trocken! Natürlich hat der Mai noch zwei Wochen vor sich und da kann noch viel passieren. In den nächsten Tagen geht es zwar tendenziell wechselhaft weiter, allerdings werden regional wieder große Unterschiede dabei sein. Schauen wir dafür auch die vorhersagten Regenmengen des deutschen HD-Modells bis Samstagmittag:

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Den meisten Regen wird in den nächsten 5 Tagen also erneut der Süden abbekommen. Nebenflüsse können hier streckenweise ansteigen. Der trockene Rest bekommt wieder keine nennenswerten Mengen ab. Auch danach ist momentan kein großer, flächendeckender Landregen für den Norden und die Mitte in Sicht, wie der XL-Trend für Münster und Magdeburg zeigt. Die meiste Zeit handelt es sich um Schauer, die zum Teil zwar mal kräftiger und gewittrig sein können, jedoch treffen Schauer naturgemäß eben nicht jeden und laden nicht an jedem Ort gleich viel Regen ab.

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