Großwetterlagen: Die zyklonale Westlage (WZ)

29 verschiedene Großwetterlagen gibt es bei uns in Europa. Wir wollen hier nach und nach jede Großwetterlage erklären und mit Grafiken veranschaulichen, wo sich Hoch- und Tiefdruckgebiete befinden.

Doch zunächst einmal: Was ist antizyklonal oder zyklonal?

Antizyklonal bezeichnet in der Meteorologie  einen Dreh- bzw. Krümmungssinn, der der Rotationsrichtung der Erde um ihre Achse entgegengesetzt ist. Man nennt daher rechts gerichtete Rotationen, d.h. im Uhrzeigersinn, antizyklonal. Da Hochdruckgebiete sich auf der Nordhalbkugel im Uhrzeigersinn drehen, nennt man sie auch Antizyklonen.

Zyklonale Rotation besitzt den gleichen Drehsinn wie die Erde bei der Rotation um ihre Achse. Daher nennt man linksgerichtete Rotationen, d.h. gegen den Uhrzeigersinn, zyklonale Rotation. Da Tiefdruckgebiete sich auf der Nordhalbkugel gegen den Uhrzeigersinn drehen, nennt man sie auch Zyklone.

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Hier beschäftigen wir uns nun mit der zyklonalen Westlage (Abkürzung und auch im Text WZ genannt).

Am häufigsten kommt diese Wetterlage im August vor, am seltensten im April. Dennoch kann solch eine Wetterlage auch in anderen Monaten auftreten, wie im Beispiel hier am letzten Novemberwochenende 2015.

Ausgehend für eine WZ ist ein steuerndes Tiefdruckgebiet über dem Nordmeer zwischen Island und der norwegischen Atlantikküste, meist etwa auf dem 60. bis 65. Breitengrad. Demgegenüber steht ein Hochdruckgebiet bei den Azoren, dessen Keil oft bis nach Spanien und Südfrankreich reicht. Wir in Mitteleuropa liegen dabei im lebhafter Westströmung:

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Mit dieser Strömung werden immer wieder kleine Randtiefs südlich des steuernden Nordmeertiefs nach Osten geführt. Ausgangspunkt ist dabei meist das Seegebiet westlich von Irland, wobei dann die Tiefs über Großbritannien und die Nord- und Ostsee bis zu den baltischen Staaten geführt werden. Dabei ziehen immer wieder Regengebiete durch, gefolgt von kurzem Zwischenhocheinfluss, bevor dann die nächsten Tiefausläufer heran ziehen. In der Nordhälfte, hier vor allem an den Küsten, ist es dabei oft sehr windig oder auch stürmisch. Nicht selten entwickeln sich in der WZ besonders im Winter auch kleine Orkantiefs, die mit schwerem Sturm dann den Norden Deutschlands und Dänemark beeinflussen können.

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Sind dann die Tiefs nach Osten abgezogen, so werden sie deutlich schwächer, lösen sich teilweise auf und werden häufig nach Nordosten (nach Nordwestrussland abgelenkt. Dies kann man auch schön auf der folgenden Höhenwindkarte sehen:

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Je nach Jahreszeit hat die zyklonale Westlage unterschiedlichen Einfluss auf die Temperatur. Während es im Sommer meist kühl und nass ist, so ist es im Winter recht mild bis sehr mild. In den Bergen gibt es nur auf der Rückseite der einzelnen Tiefs vorübergehend Schneefall, im nächsten Warmluftsektor taut und regnet es dann vielfach bis auf über 1500 m Höhe.

Generell bekommt der Süden Deutschlands bei solch einer Wetterlage meist weniger Niederschlag ab als der Norden. Europaweit gesehen treten die intensivsten Niederschläge in Großbritannien, in Dänemark und vor allem an der Südwestküste Norwegens auf, wo es im Stau des norwegischen Gebirges kräftig schütten oder im Winter in den Bergen auch kräftig schneien kann.

Zyklonale Westlagen können sehr beständig sein, aber auch nach einigen Tagen wieder vorbei sein. Eine Regel gibt es da nicht. Vielfach gehen aber WZ in eine zyklonale Südwestlage über.

Wir werden hier auf dem Wetterkanal weitere Großwetterlagen erklären.

Glückauf aus Bochum

(Kartenquelle Titelbild: Frontenkarte www.dwd.de)


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