Großer Wetter-Rückblick auf ein denkwürdiges Jahr 2015

Ein ereignisreiches Jahr 2015 liegt hinter uns! Viel zu warme Monate, viel zu trockene Phasen, Tornados, Gewitter mit ergiebigen Niederschlägen, Rekord-Sommer, Rekord-Herbst…

Unser Jahresrückblick ist in zwei Teile gegliedert. Zuerst sehen wir mal, wie sich 2015 in Bezug auf die Parameter Sonne, Niederschlag und Temperatur geschlagen hat und anschließend schauen wir uns die Extreme an. In einem extra Blog von Thomas beschäftigen wir uns mit Stürmen und Tornados und auch weltweiten Unwetter-Ereignissen des Jahres. Wie immer machen wir das etwas interaktiv: wer mehr Details möchte, darf einfach die unterlegten Links klicken, sie öffnen sich in neuen Tabs.

 – Alle Vergleiche zum „Klimamittel“ beziehen sich auf die Referenzperiode 1981 bis 2010 – 

Das Sonnen-Soll haben wir grundsätzlich überall erreicht, an vielen Orten sogar ein großes Guthaben aufgebaut. Bis einschließlich 28.12. schien die Sonne im Deutschland-Mittel aller Stationen ganze 1.700 Stunden! Das sind gut 100 Stunden mehr, als im Durchschnitt. Im Vergleich zum Durchschnitt am sonnigsten war es mit Abstand in Sachsen: Dresden-Klotzsche verzeichnet über 1.940 Sonnenstunden, im 30-jährigen Schnitt sind es gerade 1.659 Stunden, demnach knapp 300 Stunden mehr Sonnenschein. Elf von zwölf Monaten hatten überdurchschnittlich viel Sonne, nachdem der Januar mit nur zwei Drittel des Durchschnitts ziemlich „dunkel“ war. Wie wars bei euch? Hat irgendjemand das Gefühl, zu wenig Sonne bekommen zu haben?

Viel Sonne = zu wenig Regen?

Teilweise zumindest. 688 Liter Regen fielen in 2015 im Mittel aller Stationen, im Klimamittel sind es 837 Liter, damit fehlen 150 Liter. Doch in der Nordhälfte, im Osten und am Alpenrand liegen wir mit 85% bis 115% des mittleren Niederschlags statistisch gesehen ganz gut im Soll. Ich habe aber Bauchschmerzen bei solch statistischen Zahlenspielereien beim Niederschlag. Das „Soll“ erfüllt zu haben klingt zwar toll. Aber was nützt das, wenn es viele viel zu trockene Perioden im Jahr gab, und dann zwei Gewitter ausreichen, um den Messbecher an drei Tagen für den ganzen Monat zu füllen? Auch das ist nicht neu; wir hätten uns trotzdem im Sommer mehr flächendeckenden Niederschlag gewünscht. Erinnert ihr euch? Wie oft hatten wir Gewitter, die den Keller des Nachbarn haben volllaufen lassen, während man selbst auf dem Trocknen saß? Beispielsweise dieses extreme Gewitter in Demker (Sachsen-Anhalt) mit 119,9 Litern innerhalb eines Abends! Das waren mal eben zwei Julimengen Regen.

Apropos Extreme: wir wiederholen uns, aber man kann es nicht oft genug sagen – Problem bei Gewittern ist, dass sie zu lokal auftreten. Das macht nicht nur die Vorhersage schwierig, sondern auch die tatsächliche Messung der Niederschlagsmenge, wir haben ja nicht alle 500 m eine Wetterstation stehen – schön wärs. Glücklicherweise haben wir dafür unsere Niederschlagssummen-Karten, die kombiniert aus Messung am Boden und Intensität des Radarbilds flächendeckende Summen darstellt.

Die mit Abstand trockensten Regionen 2015 sind Franken, Baden-Württemberg, die Pfalz und das Saarland. Eine Katastrophe für die Landwirtschaft. Wir hatten dazu einige interessante Artikel. Auch die Wasserwirtschaft litt aufgrund anhaltender Niedrigpegel.

Nun zur spannendsten und immer am meisten diskutierten Größe der Meteorologie: die Temperatur.

Das jährliche Temperaturmittel in Deutschland beträgt im 30-jährigen Zeitraum 1981 – 2010 genau 8,8°C. Das Jahr 2015 liegt bei 10,0°C und ist damit 1,2°C wärmer. Übrigens: 2014 war mit 10,3°C noch wärmer. Unglaublich sind dabei die einzelnen Monate Januar, Juli mit Hitzeallzeitrekorden, August als zweitwärmster aller Zeiten, generell der turbulente Rekordsommer, der Novemberfrühling und Dezember. Allen voran der Dezember – er ist der wärmste Dezember seit über 300 Jahren, also quasi aller Zeiten ernstzunehmender meteorologischer Messungen. Klicken Sie auf die Monate, um unsere jeweiligen Rückblicke zu durchstöbern. Alle Extremtemperaturen des Jahres hat Andreas schon anschaulich dargestellt. Rekord: 40,3 Grad in Kitzingen (BY), gleich zwei Mal erreicht, wurden nie zuvor auf deutschem Boden gemessen. An über 100 deutschen Wetterstationen sind Hitzerekorde aufgestellt worden.

Besondere Ereignisse in 2015

Das Jahr hatte neben langzeitlichen Extremen, wie dieser ungewöhnlich stabilen Wetterlage im Dezember, mit welcher wir durch subtropische Luftmassen den wärmsten Dezember aller Zeiten bekamen, auch kurzzeitliche Extreme zu bieten: Tornados, Unwetter, Sommerstürme, Hitzerekorde. Wir blicken zurück auf:

… die fünf heißesten Orte 2015

40,3˚C   Kitzingen (BY)                                  05.07. und 07.08.2015

40,2˚C   Bad Mergentheim (BW)                 07.08.2015

39,8˚C   Mannheim (BW)                              07.08.2015

39,6˚C   Frankfurt-Westend (HE)               07.08.2015

Platz 5 teilen sich mit 39,5˚C mehrere Stationen.

Ihr seht, der 7. August war ein besonderer Tag. Schaut euch nochmal in Ruhe alle Höchstwerte dieses Tages an. Wie o.g. sind die 40,3°C für Kitzingen ein absoluter Deutschland-Rekord. Nie zuvor wurden auf deutschem Boden offiziell 40,3°C gemessen.

… den #Julisturm 2015

Ungewöhnlich, ein solch starker Sturm im Sommer – das Gefährliche dabei ist, dass die Campingplätze zu der Jahreszeit am vollsten sind und die Bäume belaubt, somit eine große Angriffsfläche für den Wind bieten und abbrechen können.

Das Kind beim Namen heißt Tief „Zeljko“ und zog von BeNeLux weiter nordostwärts. Wir hatten uns bereits vorab um präzise vorhersagen bemüht, ständig Modellvergleiche und Updates gebracht.

Die stärkste Böe wurde mit 159 km/h auf dem Brocken erreicht, im Flachland reichte es immerhin für Sturmböen und schwere Sturmböen von 80 bis über 90 km/h!

… Unwetter im Sommer

Das Unwetter mit Starkregen in Sachsen-Anhalt bleibt uns noch lange in Erinnerung. 119,9 Liter in weniger als 6 Stunden an einem Abend des 4. Juli! Selten bei solchen Ereignissen: genau unter der fetten Gewitterwolke haben wir eine Wetterstation stehen! Nur 5 km weiter weg, und das Unwetter wäre de facto nicht in die Statistik eingegangen! Die Besonderheit bei dem Unwetter war, dass es sich nicht bewegt hat, weil der Wind in der Höhe fehlte.

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Auch Gilserberg-Moischeid in Hessen erlebte am 16. August mit 107,3 Liter an einem Abend ein seltenes Erlebnis! Der Tag war allgemein einer mit vielen Gewittern im Osten und viel Regen im Westen, hier die Summen deutschlandweit.

In Bretten (BW) hatte es am 6. Juni ein Großhagelevent mit Golfballhagelkörnern, hier das Radarbild von diesem Zeitpunkt und anhand der Blitzkarte sieht man, dass auch dieses Gewitter sich nicht von der Stelle bewegt hat.

Am 5. Juli kam es nach einem großen Hitzetag ebenfalls zu einem Großhagelereignis bei Bonn und im Oberbergischen Kreis. Dazu gibt es einen Beitrag im Wetterkanal.

… Tornados

Am 5. Mai in Bützow, am 29. Mai in Freystadt und am 18. Juli in Sangerhausen. Alle Infos dazu gibt’s von Thomas im Unwetter-Jahresrückblick und auf tornadoliste.de!

… Schneefall im Oktober,

der gleichzeitig an vielen Stationen der früheste seit Beginn der Messungen war. Noch nie so früh in der Saison hatte es geschneit und wir hatten daher extra einen Live-Ticker gemacht.

 

Das war unser Wetter-Rückblick 2015! Danke fürs Lesen! Bitte auch den Unwetter-Rückblick beachten!

Wie habt ihr das Jahr 2015 wahrgenommen? Die Fakten stehen  im Text, Wahrnehmung ist ja immer subjektiv 😉

Wir wünschen euch für 2016 alles Gute, und danke, dass ihr uns treu seid! Wir freuen uns auf 2016 mit euch.


Autoren dieses Artikels: alle Mitarbeiter der Kachelmann GmbH.


 

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3 Kommentare

  1. Freddy 29. Dezember 2015
  2. Frank Gieseler 29. Dezember 2015
  3. Markus 29. Dezember 2015

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