Gibt es Hurrikane im Winter?

Aus den Schul- und Lehrbüchern wissen wir, dass die Hurrikansaison auf dem Nordatlantik offiziell von Anfang Juni bis Ende November läuft. In Ausnahmefällen können sich auch schon im Mai oder erst im Dezember noch Stürme bilden. Auf dem Ostpazifik startet die Hurrikansaison bereits Mitte Mai. Sind auch mitten im Winter Hurrikane möglich? Gab es das schon mal?

Wenn alles passt, sind ganz selten auch weit außerhalb der üblichen Saisonzeiten Stürme und sogar Hurrikane auf dem Nordatlantik möglich. Im April 2003 bildete sich bei Bermuda der Subtropische Sturm „Ana“, kein reiner Tropensturm, aber der erste der Hurrikansaison 2003. „Ana“ ist der bisher einzige Tropensturm mit einem Namen, der in einem April auftrat. Er bedrohte nicht direkt Land, aber im hohen Wellengang kenterte ein Boot vor Florida und zwei Menschen kamen ums Leben. Ein schwacher Subtropischer Sturm wurde im Januar 1978 nordöstlich der Kleinen Antillen beobachtet.

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Radarbild von Hurrikan „Alice“ im Januar 1955, nördlich der British Virgin Islands (Quelle: NOAA Photo Library)

Es gab nur drei Tropenstürme auf dem Nordatlantik, die in einem Januar Hurrikanstärke erreichten. Einer davon war „Alice“, er bildete sich am 30. Dezember 1954 mitten auf dem Atlantik und verstärkte sich zum Jahreswechsel zu einem Hurrikan, der Anfang Januar 1955 die nördlichen Kleinen Antillen überquerte und hier einige Schäden anrichtete. In der östlichen Karibik reichte der Mittelwind in Zentrumsnähe zeitweise bis etwa 130 km/h, bevor er sich langsam wieder abschwächte. Ähnlich stark war ein Hurrikan ohne Namen, der vom 03. bis 06. Januar 1938 südwestlich der Azoren wirbelte. Insgesamt sind nur sechs Tropische und Subtropische Stürme bekannt, die in einem Januar auftraten, davon bildeten sich vier im Januar, die anderen beiden entstanden noch im Dezember des Vorjahres. Im Januar 2016 nahm ein Sturmsystem südlich der Azoren tropische Eigenschaften an und verstärkte sich am 14.01. zum Hurrikan „Alex“. Den gesamten Atlantik hat man auf unseren globalen Satellitenbildern im Blick.

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Satellitenbild vom 11.01.2016, mögliche Sturmbildung südwestlich der Azoren

Entstehung

Die meisten Hurrikane während der offiziellen Saison entstehen aus den so genannten „Easterly Waves“, das sind Wellenstörungen in der Passatströmung, die von Afrika aus über den Atlantik und weiter zum Ostpazifik ziehen. Sie bestehen aus einer Ansammlung von Schauern und Gewittern, die sich zu einem Sturm oder sogar Hurrikan formieren können. Im Winter gibt es diese Easterly Waves nicht. Manche Hurrikane bilden sich auch aus außertropischen Tiefs, die in die Tropen oder Subtropen ziehen und sich unter gündtigen Bedingungen über dem warmen Wasser in einen Tropischen oder Subtropischen Sturm umwandeln. Dies kann in manchen Jahren auch im Winter vorkommen.

Was ist eigentlich ein Subtropischer Sturm?

Darunter versteht man einen Sturm, der nicht rein tropische Eigenschaften hat. Bei einem Tropensturm oder Hurrikan sind unter anderem die höchsten Windgeschwindigkeiten direkt um das warme Zentrum des Systems zu finden. Das Tief besitzt keine Warm- und Kaltfronten. Bei einem außertropischen Tief ist dies anders, das Zentrum ist kalt und die stärksten Winde zeigen sich weit entfernt, das Tief weist ein Frontensystem auf (Warm-, Kaltfront, Okklusion). Ein Subtropischer Sturm ist ein gemischtes System.

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Hurrikan „Pali“ am 12.01.2016 südwestlich von Hawaii

Ähnlich sieht es auch auf dem zentralen und östlichen Nordpazifik aus. Außerhalb der Saison kommen Tropenstürme nur sehr selten vor. Hier spielt auch das Warmwasserphänomen El Niño eine wichtige Rolle. In El Niño-Zeiten erwärmt sich das Wasser im zentralen und östlichen tropischen Pazifik stark und die Entstehungsbedingungen für Tropische Stürme sind günstiger als sonst. Bei dem Rekord- El Niño 2015/16 konnte sich im Januar 2016 dicht östlich der Datumsgrenze bei Wassertemperaturen von 28 bis 29 Grad der Hurrikan „Pali“ bilden, der früheste bekannte Hurrikan im Bereich zentraler/östlicher Pazifik. Der bisher einzige bekannte Hurrikan auf dem zentralen Nordpazifik war der Hurrikan „Ekeka“ Ende Januar 1992, der die Kategorie 3 der fünfteiligen Hurrikanskala erreichte.

El Niño hat einen sehr großen Einfluss auf die Hurrikanaktivität auf dem Pazifik und dem Atlantik. Über dem außergewöhnlich warmen Wasser konnte sich 2015 eine Rekordzahl an starken Taifunen und Hurrikanen auf dem Nordpazifik bilden. Aufsteigende Luft im Bereich Zentralamerika rief dagegen für die Hurrikanbildung ungünstige Winde über dem Atlantik hervor, wo es kaum starke Hurrikane gab.

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Hurrikan „Catarina“ im März 2004 vor Brasilien (Quelle: NASA)

Die Hurrikansaison auf dem Südatlantik läuft dagegen von Dezember bis April, wobei hier nur selten Stürme oder Hurrikane beobachtet werden. Der einzige bekannte Hurrikan seit Beginn der Satellitenbeobachtungen in den 1960er Jahren war der Hurrikan „Catarina“, der Ende März 2004 auf die brasilianische Küste traf und hier verheerende Auswirkungen hatte.

 

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