Bilanz der Tornadosaison 2016 in Deutschland

Die Tornadosaison war in diesem Jahr in Deutschland aktiver als in den Jahren zuvor. Mehr als 50 Tornados sind bisher bestätigt, davon drei starke Tornados, die erhebliche Schäden anrichteten. Dazu kommen zahlreiche noch ungeklärte Verdachtsfälle. Tote durch Tornados gab es in diesem Jahr in Deutschland bislang nicht.

Vor allem während der Unwetterlagen im Juni und Juli wurden unzählige Trichterwolken gemeldet. Viele Fälle konnten bisher noch gar nicht erfasst werden, an manchen Tagen kamen 50 bis 100 Meldungen zu mehr als einem Dutzend Fällen zusammen. Deutschlandweit sind in diesem Jahr bisher mindestens 55 Tornados bestätigt; dazu kommen mindestens 12 plausible Fälle, die mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls Tornados waren. Das ist die höchste Zahl seit 2007. Dazu kommen fast 400 Verdachtsfälle, die noch ungeklärt sind. Der bisherige Rekord stammt aus dem Jahr 2006, damals waren es mindestens 122 bestätigte Tornados. Die Schäden gehen in diesem Jahr in die Millionen, die größten Schäden richteten Tornados am 07.06. in Hamburg (Stärke F1 der sechsteiligen Tornadoskala, zwischen 118 und 180 km/h) sowie am 04.09. bei Göttingen und in Thüringen und am 29. Mai im bayerischen Maxhütte-Haidhof an (alle Stärke F2, zwischen 180 und 250 km/h).

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In Erinnerung bleiben auch die Tornados, die Anfang Juni im nördlichen Schleswig-Holstein weithin sichtbar waren und jede Menge Staub aufwirbelten (Foto: Brian Andresen/nordpresse mediendienst am 05.06. bei Schleswig). Zahlreiche Fotos und Videos gingen durch die Medien. Dass die Tornados am 05. und 06. Juli so viel Staub aufwirbelten und dadurch in weitem Umkreis beobachtet wurden, lag unter anderem daran, dass es hier zuvor wochenlang trocken gewesen war. Auch der Tornado am 07. Juni im Osten Hamburgs war weithin sichtbar (Foto: David G.).

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So viele Tornadoverdachtsfälle wie in diesem Jahr wurden bisher in Deutschland noch nie registriert. Der Hauptgrund für die enormen Zahlen dürfte neben den häufigen windschwachen und damit tornadoträchtigen Schauer- und Gewitterlagen im Juni auch die inzwischen fast flächendeckende Verbreitung von Handykameras sein. Von vielen Fällen liegen gleich mehrere Meldungen vor. Die Zahlen für dieses Jahr können sich noch deutlich verändern. Dutzende Fälle sind noch gar nicht erfasst und es steht auch noch eine Nachbesprechung der Saison durch die Tornado-Arbeitsgruppe Deutschland an.

Anders als oft berichtet können Tornados bei uns genauso stark sein wie in den USA. Selbst tonnenschwere Mähdrescher wurden in Brandenburg schon mal durch die Luft gewirbelt. Die meisten Tornados sind dabei schwach, dies gilt aber auch für die USA. Im langjährigen Mittel werden etwa 30 bis 60 Tornados pro Jahr in Deutschland registriert. Die Tornadoschäden gehen bei uns in jedem Jahr in die Millionen. Die Hauptsaison für Tornados reicht bei uns von Mai bis September, aber auch außerhalb dieser Zeit treten manchmal Tornados auf.

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